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#41
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"Dem werden wir schon helfen!" Barin zwinkerte mit einem Auge und stieß McLain mit dem Ellbogen in die Seite. Flugs schnappte es sich einen Stein vom Boden, in der Größe eines stattlichen Hühnereies.
Laut rief er: "Seht, McLain, da kommt ja McWombel vom Kontor zurück!" Im gleichen Zug sah man den Stein mit einem gekonnten, meisterlichen Wurf in die Mitte des offenen Fensterchens fliegen. Ein dumpfer Treffer und ein empörter, derber Fluch war zu hören. Voller Zorn steckte McWombel seinen Kopf aus dem Fenster. "Ihr bekommt alle Lokalverbot, ihr..." Im letzten Moment konnte er sich seine Worte verkneifen, auch als der dreistimmige Chor kernigen Gelächters erklang. McLain ergriff das Wort. "Genug jetzt. McWombel, warum lasst ihr uns heute nicht herein?" "Weil ich frei bleiben will und nicht in eurem Kerker verrecken mag!" lautete McWombels Antwort mit bebender Stimme. Die drei Ausgesperrten sahen sich gegenseitig irritiert und fragend an. "Häh? Was habt ihr denn heute schon intus? Jetzt sperrt auf, sonst werde ich die nächste Truppe, die hier den Gäulen hinterher rennt, den Laden hier aufbrechen lassen. Dann herrscht aber Selbstbedienung im Weinlager, das sage ich euch!" drohte McLain, wenn auch nicht ganz ernsthaft. McWombel sah, dass ihm keine andere Möglichkeit blieb. Er musste beichten.
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#42
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Gemütlich saßen die Männer zusammen am runden Tisch vor dem Tresen, McWombel bediente sie mit gesenktem Kopf und hielt sich im Hintergrund.
Die ersten Flaschen waren schon geköpft, McLain erzählte Barin die gestrigen Geschehnisse und war voll des Lobes wegen dem Mut seines Stabschef. "Nun aber heraus mit der Sprache, McWombel. Kommt zu uns an den Tisch. Was war mit euch vorhin los?" Mit bedrückter Stimme und einer Schamröte im Gesicht, die ihm zusammen mit seinen roten Bart ein Bild eines zu lange gereiften Apfels abgaben, erzählte McWombel den Anwesenden von seinem nächtlichen Eindringen in die Residenz. McLain blickte ernst. McWombel erzählte dann von seinem Erlebnis mit Lady Lali am morgen auf der Türschwelle vor dem Gästequartier. "Bitte! McLain! Verschont mich! Ich war total betrunken! Ich weiß, eure Bekanntschaft hat wohl die Insel schon verlassen. Ich kann nicht sagen, wie sehr ich mich schäme. Bitte richtet Lady Lali aus, das ich meine Tat zutiefst bereue!" Barin schaute drein, als müßte er die Teile der Geschichte erst noch zusammen bekommen, der Stabschef konnte sein Amüsement kaum verbergen. "Hoho, nun einmal langsam! Sollte Lady Lali hier nochmals auftauchen, so wird sie anstatt euch den Kerker kennenlernen! Ausgeraubt hat sie mich, dieses spanische Luder!" polterte McLain. McWombel schaute ungläubig wie ein Kalb. "Dann bin ich nicht schuld?" McLain wurde nochmals streng: "Das ihr mit dem Lagerschlüssel heimlich in die Residenz geschlichen seid, ist nicht in Ordnung und geschieht nie wieder, haben wir uns verstanden? Der Kerker ist groß genug für den Kommandanten, Lali und ihr Teufelspack und euch! Da könnt ihr Taugenichtse dann schmoren, bis Gericht gesprochen wird!" McWombel beteuerte bei allen heiligen Dingen der Welt, die ihm im Moment einfielen, das käme nie wieder vor. McLain brummelt vor sich hin: "Nur schade, dass sie mein geliebtes Kartenstück gestohlen hat, welches ich vor Jahren selbst erbeutet hatte." McWombel horchte auf. "Ich glaube, da kann ich euch helfen. Als Wiedergutmachung sozusagen!"
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professional bored gamer (pbg) ![]() Geändert von McLain (18.02.2010 um 12:35 Uhr) |
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#43
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McWombel zog sich kurz in seine Gemächer zurück und kam mit einem großen, dicken Buch zurück. Mit einem Ausdruck des Triumphes knallte er den Wälzer auf den Tisch. Es schien ein alter, ausgemusteter Band aus dem Kontor zu sein, in dem die Warenein- und ausgänge aufgezeichnet wurden.
Barin verdrehte die Augen. Was sollte nun das schon wieder? Behutsam blätterte McWombel durch die Seiten. In der Mitte des Buches fand er ein altes, vergilbtes Stück Seekarte, das er vorsichtig entfaltete. McLain quollen die Augen aus dem Schädel. Das Stück Karte schien von der gleichen Karte zu stammen, von dem er ein anderes Stück besessen hatte. Die Handschrift sah so vertraut aus, ebenso die Zeichnungen, die auf diesem Stück zu sehen waren. Es war das Stück, auf dem die Himmelsrichtungen und ein Gebirge aufgezeichnet waren. "McWombel, wo in Poseidons Namen habt ihr denn das her?" "Ein Holländer konnte, vor über einem Jahr glaube ich, seine erstandenen Waren nicht vollständig zahlen. Ich war gerade dort und übernahm seine Außenstände. Im Gegenzug erhielt ich diese Karte, die er wieder auslösen wollte. Ich habe ihn aber nie wieder gesehen, ich glaube, er füttert die Haie. Es war vor den großen Stürmen und Seebeben, dem so viele Seefahrer zum Opfer fielen, wisst ihr noch?" McWombel schüttelte es beim Gedanken daran. Staunend beugten sich Barin und der Stabschef über die Karte. McLain zweifelte an seinem Verstand und entschloss sich erst einmal, noch einen kräftigen Schluck aus der Pulle zu nehmen. Feierlich und in einem generösen Ton verkündigte McWombel: "Hiermit überreiche ich euch dieses Stück Karte, als ein Geschenk aus McWombels Taverne! Haltet sie mir in Ehren." "Mit Speck fängt man Mäuse." McLain blickte listig und schon leicht betüdelt in die Runde, bevor er eine neue Flasche köpfte.
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professional bored gamer (pbg) ![]() Geändert von McLain (18.02.2010 um 20:15 Uhr) |
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#44
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Obwohl dieser Tag wahrlich kein erfolgreicher Tag für McLain war, so wurde seine Stimmung, je weiter sich dieser Tag verabschiedete, doch stetig besser. Das lag natürlich auch an seiner fortwährenden Anwesenheit in der Taverne.
Was sollte er mit diesem unseligen, angebrochenen Arbeitstag auch noch anfangen? Von Zeit zu Zeit gesellten sich Soldaten dazu, die es geschafft hatten, wieder ein paar Gäule in die Stallungen zurück zu bringen. Was gab es da für ein großes Hallo. Welch haarsträubende Geschichten über Pferde und ihrer Hinterlassenschaften wurden erzählt. Als endlich die ersten Bauern nach ihrem harten Tagwerk in die Taverne einkehrten, ging es schon hoch her. Eine seelige Stimmung, zum großen Teil durch alkoholische Getränke aller Arten bedingt, lag über dem Raum. McWombel war wieder seines Lebens froh, auch der Umsatz stimmte an diesem Tag, ein excellentes Geschäft. So durstig waren die Soldaten sonst nie, seine Augen glänzten. Barin, der Stabschef und McLain feixten gegenseitig, wie wurde über spanische Luder gelästert, derbe Witze gerissen und mit Liebschaften und amorösen Abenteuern in fremden Häfen geprahlt. Die größten Heldentaten wurden aus dem Vergessen wieder hervorzitiert, und der Stabschef ging mit Barin die verwegene Wette ein, dass der Kommandant gefunden werden würde. Es würde also ein großes Spanferkelessen in der Taverne geben, von Barin oder dem Stabschef ausgerichtet. Das hörte jedermann gerne, McWombels Augen leuchteten wie der Vollmond, der langsam über den Horizont aufstieg. McLain lud sich selbst dazu ein und erklärte, er würde die Fässer Bier dazu spendieren, und die ersten gleich jetzt, was die Stimmung zum Überkochen brachte. Doch war der Kommandant überhaupt noch am Leben?
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professional bored gamer (pbg) ![]() Geändert von McLain (21.02.2010 um 21:46 Uhr) |
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#45
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2010, im Archiv des Instituts für karibische Geschichtsforschung:
Mr. Juhnk e. E. klappte das große, schwere Buch zu, das ehemals in einem Kontor zum Führen der Lagerlisten benutzt wurde, und schaute seine anwesenden Studenten an. "Das ist wirklich ein außerordentliches Werk, vermutlich verfasst von diesem Tavernenwirt auf den letzten leeren Seiten des Buches, und bringt uns das Leben außerhalb der romantisierten Piratenerzählungen Hollywoods näher. Der Name McLain wurde noch einmal in einem anderen Zusammenhang genannt, als ein Entdecker, der auf dem Weg zu einer neuen Welt verschollen ging. Vermutlich ist der genannte Auftrag der englischen Krone der Grund für diese Fahrt gewesen, aber das kann nicht wissenschaftlich belegt werden. Die anderen Akteure traten in keinem anderen Schriftstück auf, was aber vermutlich mit ihrer geringen historischen Bedeutung einherging. Sonst ist uns nichts mehr überliefert worden. Viele Aufzeichnungen dieser Zeitepoche endeten in den Wirren dieser Zeit, als Krankheiten, Erd- und Seebeben und verheerende Stürme dieses Gebiet heimsuchten. Damit endet die Exkursion in unser Archiv. Haben Sie noch Fragen? *glasigeAugenDerZuhörerStarrenInsLeere* Nein? Gut. Dann bis morgen in alter Frische im Hörsaal. Mr. Juhnk e. E. schob das Buch zurück ins Regal. Als der letzte Student sich von dannen getrollt hatte, schloß er das Archiv ab. *RPG OFF* Closed.
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